Kunstprojekte Salzburg Finale
Zehn Jahre Kunst im öffentlichen Raum in der Weltkulturerbestadt Salzburg – dieses Jubiläum feierte die Salzburg Foundation gemeinsam mit der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn im Oktober 2011. Zu diesem Anlass wurde das zehnte Kunstprojekt Salzburg enthüllt. Dieses bestand, anders als in den vergangenen Jahren, nicht nur aus einem Kunstwerk, sondern gleich aus dreien - von österreichischen Künstlern, deren Werk nationales und internationales Renommee genießt: Brigitte Kowanz, Manfred Wakolbinger und Erwin Wurm.
Brigitte Kowanz – „Beyond Recall“
Brigitte Kowanz (*1957) ist bekannt für ihre Licht-Installationen, die sie in Form von Raumbildern realisiert oder als „Interventionen“ im architektonischen Kontext umsetzt. Eine solche „Intervention“ nimmt sie mit ihrem Werk „Beyond Recall“ auch an der Salzburger Staatsbrücke vor: Über den Sockeln der vier Brückenköpfe hat Brigitte Kowanz semitransparente Spiegelkuben errichtet, in denen Schriftzüge aus Neon aufleuchten: "Beyond Recall", "Envision", "Dedicated Secret" sowie der Text "Zum Gedenken an die Hunderten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die von 1941 bis 1945 gegen ihren Willen und unter großen Opfern an der Errichtung dieser Brücke arbeiten mussten", den sie der Gedenktafel am Brückenkopf entlehnt.
Die gläsernen Kuben reflektieren sowohl das Neonlicht im Inneren als auch den Lichteinfall von außen, so dass sich die Schriftzüge scheinbar unendlich fortsetzen. Der Raum, der dabei entsteht, kennt keine Grenzen, Innen und Außen verschränken sich ineinander. Eine unerwartete dynamische Bewegung entsteht, die sich zwischen Bildoberfläche und scheinbarer Tiefe des Bildraumes abspielt. Der Spiegel ist Trennung und Verbindung zugleich: er erzeugt einen fiktiver Raum und einen realen Raum, der die gesamte Umgebung des Objektes sowie den Betrachter mit einbezieht. Eine Simultanität von Raum und Zeit, Schrift, Bild und Skulptur entsteht und wird sinnlich erlebbar.
Manfred Wakolbinger – „Connection“
Manfred Wakolbinger (*1952) ist bekannt für seine organisch geschwungenen Objekte, die wie Wesen aus einer anderen Welt wirken. Der Fotograf und Bildhauer greift in Landschaften und Architekturkulissen ein, indem er ihnen einen neuen Mittelpunkt gibt und sie völlig neu definiert und gestaltet. Für das Kunstprojekt Salzburg hat Manfred Wakolbinger einen Platz am Rudolfskai zwischen alter Stadtmauer und Salzach gewählt. Er begreift diesen Ort als Bühne für seine Skulptur, die einen Bezug zum kulturellen Selbstverständnis der Stadt Salzburg herstellen soll.
Diese Verbindung und die bedeutende Beziehung von Innen und Außen in seinem Werk haben Wakolbinger zu seinem Titel „Connection“ inspiriert. Das „Außen“ ist die Salzburger Altstadt, deren Jahrhunderte alte (kultur-) historische Substanz einen durchaus musealen Charakter besitzt. Das „Innen“ sind die Menschen, die in der Stadt leben, arbeiten, Urlaub machen und sie dadurch mit Leben füllen. Diese Verbindung überträgt Manfred Wakolbinger auf seine rund elf Meter lange Skulptur, die in zwei gefäßartigen Öffnungen endet: Aus- und Eingang. Der Künstler fragt damit nach der Vereinbarkeit von Außen und Innen, von Kunst und Leben. Das Besondere dabei: Erst der Betrachter vollendet das Werk, wenn dieser durch sein Spiegelbild im Inneren zu einem Teil der Skulptur wird.
Erwin Wurm - „Gurken“
Erwin Wurm (*1954) ist der Meister des hintergründigen, skurrilen Humors. Mit seinen fotografisch und auf Video festgehaltenen „One Minute Sculptures“, den „verfetteten“ Skulpturen oder Aktionen und Installationen im öffentlichen Raum – etwa dem umgedrehten EinFamilienhaus auf dem Dach des Wiener MUMOK 2006 – lotet er die Grenzen des Mediums Skulptur aus und hat sich fest in der internationalen
Kunstszene etabliert. Mit Witz und Ironie entlarvt Erwin Wurm absurde gesellschaftliche Entwicklungen und stellt dabei den gängigen Skulpturenbegriff immer wieder in Frage: Bei ihm kann alles zur Skulptur werden.
Nach seinem „Selbstportrait als Essiggurkerl“ erklärt Erwin Wurm für das Kunstprojekt Salzburg die beliebte Essiggurke abermals zum bildwerten Motiv und erhebt damit einen allgegenwärtigen, banalen Gegenstand zum Kunstobjekt. Was den Künstler besonders fasziniert, ist die Vielfalt der Formen: keine gleicht der anderen. Jede Gurke ist individuell verschieden, aber doch sofort als Gurke erkennbar und einem Ganzen zuordenbar - ähnlich den Menschen. Indem Erwin Wurm seine Gurken auf menschliches Maß vergrößert und scheinbar direkt aus dem Asphalt wachsen lässt, inszeniert er sie als Wesen von individuellem Wert. Die Interpretation bleibt offen. Doch: Sind wir nicht alle ein bisschen Gurkerl?
Kunstprojekt Salzburg
Seit 2002 ist es dem künstlerischen Leiter Walter Smerling gelungen, jedes Jahr namhafte internationale Künstler zu gewinnen, für das Kunstprojekt Salzburg Werke für den öffentlichen Stadtraum zu schaffen. Über zehn Jahre ist so ein hochkarätiger Skulpturenparcours entstanden, der „Walk of Modern Art“. Er führt zu den schönsten Plätzen Salzburgs, aber auch zu Orten, die eher versteckt sind oder an denen man eine Begegnung mit Kunst nicht gerade erwartet. Die Werke sind fußläufig in der Altstadt erreichbar und für alle Kunstinteressierten, Einwohner und Touristen frei zugänglich.
In den vergangenen Jahren haben Anselm Kiefer (2002), Mario Merz (2003), Marina Abramovic (2004), Markus Lüpertz (2005), James Turrell (2006), Stephan Balkenhol (2007), Tony Cragg (2008), Christian Boltanski (2009) und Jaume Plensa (2010) Salzburg mit ihren Werken bereichert. Mit Brigitte Kowanz, Manfred Wakolbinger und Erwin Wurm findet der „Walk of Modern Art“ in diesem Jahr seinen Abschluss.
