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850 Jahre Getreidegasse

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Ein alte Lebensader und ein Gassenjunge namens Wolferl.
Die Getreidegasse wurde 1150 erstmals als "Trabegasse" erwähnt. Fest steht, dass das hier verkaufte Getreide für die Namengebung nicht ausschlaggebend war, denn im 19. Jahrhundert konnte man immer noch "Tragasse"  hören, überliefert der bedeutende Landeshistoriker Franz Martin.
Die heutige Gasse war schon in der Römerzeit eine bedeutende Verkehrsroute. Bis in die Regierungszeit Erzbischof Wolf Dietrichs von Raitenau (1587-1612) war die Gasse die einzige Verkehrsader durch die Stadt und in Richtung Bayern. Die Getreidegasse war auch die gesellschaftlich erste Adresse für Bürger (Stadträte, erzbischöfliche Beamte, Richter, Münzer wohnten hier) und das wirtschaftliche Zentrum mit den großen Handelshäusern, für gehobene Handwerker, Brauereien und Gaststätten, Chirurgen und Apotheker.

Ihre internationale Bekanntheit hat die Getreidegasse Mozart zu verdanken. In der Getreidegasse Nr. 9 kam am 27.1. 1756 der weltberühmte Komponist Wolfgang Amadeus Mozart zur Welt. Die Eltern hatten sich beim befreundeten Handelsherren Lorenz Hagenauer im 3. Stock eingemietet, bis sie sich 1773 eine größere Wohnung jenseits der Salzach leisten konnten. Außer den Hagenauers finden wir in der Getreidegasse bekannte Dynastien wie die der Scio, Atzwanger, Samer etc.

Nicht zu vergessen die Familie Keutzl mit Ihrem noch heute existenten "Geschlechterturm".  Ihr Wohnhaus diente seit 1407 der Stadt als Rathaus. Aber auch andere klingende Namen finden sich unter den Bewohnern der Getreidegasse: Bürgermeister Hans Matsperger, der schärfste Gegner von Erzbischof Leonhard von Keutschach, ebenso wie sein Kollege Ruprecht Lasser,   die Ratsherren Rauenperger und Salome Alt, die (vermutlich angetraute) Mutter der Kinder Wolf Dietrichs. Auch eine Wohlfahrtseinrichtung, das Arme-Leute-Bad, wurde über Jahrhunderte in der Getreidegasse, nahe dem Bürgerspital, betrieben. Lorenz Hübner schreibt darüber im 18. Jahrhundert: "Eine milde Stiftung für Arme, welche sich dieses Bades, der Wohltat des Schröpfens, Aderlassens, Haar- und Bartschneidens jährlich drei Male zu festgesetzten Zeiten unentgeltlich zu erfreuen haben." Eine Besonderheit stellte die Reinigung dieser stark frequentierten Gasse dar: jeden Samstag und am Vorabend von Feiertagen wurde sie durch den aufgestauten Almkanal überflutet und so die Abfälle in die Salzach geschwemmt. Wenig attraktiv waren seinerzeit die Rückseiten der Häuserfronten: Stallungen und Pawlatschen verstellten  vielfach die heute so stimmungsvollen Arkadenhöfe.

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siehe auch
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Erzbischof Wolf Dietrichs von Raitenau
 
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