Die Persönlichkeit des heiligen Virgil ist noch lange nicht ausreichend gewürdigt. Der iro-schottische Mönch hieß in Wirklichkeit Fergal; man hat diesen keltischen Namen, der für lateinische Zungen schwer aussprechbar war, dem römischen Virgilius angeglichen. Wahrscheinlich war er in Achadboe (Irland) gebürtig und trat in ein Mönchskloster auf den Aran-Inseln im Westen Irlands ein. Von dort hat er sich vermutlich mit einer Gruppe junger oppositioneller Mönche im Streit entfernt und ging auf das Festland, was schon Teil der irischen Tradition war; haben doch seit der Völkerwanderung zahlreiche iro-schottische Mönche auf dem Kontinent Entwicklungshilfe geleistet, um die vollkommen zu Erliegen gekommene Kultur wieder zu beleben.
743 treffen wir Virgil am Hofe des bayrischen Herzogs Odilo, der ihn in Umgehung des "Generalbevollmächtigten" für Germanien, des hl. Bonifatius, 745 zum Bischof von Salzburg macht. Daraus resultieren auch die nachfolgenden Schwierigkeiten, die die beiden sicher bedeutendsten Persönlichkeiten im kirchlichen Leben dieser Zeit miteinander hatten. Virgil war der letzte große Vertreter der zweiten iroschottischen Missionswelle, die auf dem Kontinent wirksam wurde. Er verwaltete Salzburg nach iro-schottischem Brauch, was hieß, daß alle Macht in den Händen von Äbten lag, deren Angestellte die Bischöfe waren. Er richtete auf heutigem österreichischem Staatsgebiet das erste Bildungsinstitut, die Domschule von Salzburg ein. Auch begann er mit dem Bau einer Kathedrale, die mit der Größe von 33 x 66 Meter ein für damalige Verhältnisse mehr als imposanter Sakralbau war.
Weiters konsekrierte er zahlreiche Kirchen, vor allem im Alpenvorland und übertrug sie bei dieser Gelegenheit in das Eigentum der Kirche von Salzburg.
Virgil starb am 27. November 784 in Salzburg und wurde in der Krypta des Domes beigesetzt. Er geriet aber, wegen des politischen Umschwungs von 788, als das bajuwarische Herzogtum zu bestehen aufhörte und die Kirche dem fränkischen Reichunitarismus unterstellt wurde, ganz in Vergessenheit. Erst als man 1181 durch einen Zufall bei Bauarbeiten sein Grab entdeckte, wurde man sich seiner großen Bedeutung für Salzburg wieder bewußt.
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