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Portraits

Die Stadtberge sind sein Revier

Er ist erst 24 Jahre alt und doch schon ein Forst- und Jagdexperte, wie er im Buche steht: Manuel Kapeller ist der junge Stadtförster und Stadtjäger von Salzburg. Wir haben mit Manuel über seine Arbeit gesprochen – und über Gämsen am Fußballplatz.  

Über uns formen sich die Äste zu einem hellgrün-leuchtenden Blätterdach, im Unterholz raschelt es geschäftig. Auf den Zweigen und in den Baumkronen geben die Vögel ein vielstimmiges Pfeifkonzert. Die Luft riecht nach Sommer und nach Wald. Wir sind aber keineswegs auf einer abgelegenen Alm unterwegs, sondern befinden uns mitten in der Stadt Salzburg – genauer gesagt am Kapuzinerberg. Der 636 Meter hohe Berg am rechten Ufer der Salzach ist ein kleines Paradies für sich. Als Naherholungsgebiet wird er von Einheimischen wie Gästen hochgeschätzt. Aufgrund seiner besonderen Lage weist er gar kleinklimatische Verhältnisse auf, die es sonst nur im Hochgebirge gibt. Und noch eine weitere Besonderheit existiert hier – eigentlich ist es fast eine kleine Sensation. Denn seit rund 70 Jahren ist der Hausberg der Salzburger Lebensraum für ganz besondere Einwohner: Am Kapuzinerberg lebt eine Gämsen-Kolonie.

Die Geschichte vom verirrten Gamsbock

„Wenn man der Geschichte glauben kann, hat sich 1948 ein Gamsbock auf den Kapuzinerberg verirrt“, erzählt Manuel Kapeller. Der gebürtige Mittersiller hatte sich ursprünglich als Bezirksförster bei der Stadt Salzburg beworben. Als kurz nach seinem Arbeitsantritt der Stadtjäger verstarb, war für Manuel schnell klar, dass er diese Position besetzen möchte – zusätzlich zu seiner Funktion als Bezirksförster. Das war 2017. Als Stadtjäger ist er nun auch für die Gämse vom Kapuzinerberg verantwortlich. „Jedenfalls hat man den Gamsbock immer regelmäßig am Kapuzinerberg gesichtet“, nimmt Manuel den Faden wieder auf. „Nach etwa vier Jahren beschlossen die damaligen Stadtväter, dem einsamen Gamsbock eine halbzahme Gams als Gefährtin auf den Berg zu bringen.“

„Am Fußballplatz turnt eine Gams rum“

Der Kuppelversuch klappte, und so leben bis heute rund ein Dutzend Gämsen am Kapuzinerberg – eine weltweit einzigartige Rarität. „Momentan haben wir 13 Gämsen, die ich selbst schon gesehen habe“, sagt Manuel. Auch zwei Kitze gibt es, verrät der Stadtjäger. Damit sich die Gämsen weiterhin auf dem Stadtberg wohlfühlen, schaut Manuel zwei Mal pro Woche nach dem Rechten. Denn, sagt Manuel lächelnd: „Hin und wieder gehen die schon hinunter in die Stadt und schauen, was sie da so fressen könnten.“ So wurden in manchen Ecken der Stadt bereits Gämsen vom Kapuzinerberg angetroffen. „Einmal hat mich jemand vom Fußballplatz am Borromäum angerufen“, schmunzelt Manuel, „und hat gesagt: Du, kannst du kommen, bei uns turnt eine Gams rum.“ Manuel lacht herzlich. Wahrscheinlich hat die abenteuerlustige Gams vom Berg aus das verlockend-grüne Gras des Fußballplatzes gesehen, erklärt uns der Stadtjäger. Über Nacht wird sie dann vom Berg hinunterspaziert sein, um dort zu äsen. „Aber normalerweise“, sagt Manuel, „finden sie dann auch wieder hinauf, wenn man ihnen die Zeit gibt“, sagt Manuel. 

Fokus Forstbehörde und Jagdbehörde

Auch wenn die Arbeit für die Gämse etwas ganz Besonderes ist: Seine Hauptaufgaben sind klar forstbehördlicher und jagdbehördlicher Natur, stellt Manuel klar. „Rund 80 Prozent meiner Tätigkeit macht die Försterarbeit aus. Zusätzlich werden gut 165 Hektar Stadtwald durch Forstwirtschaftsmeister Josef Brawisch betreut. Mönchsberg, Kapuzinerberg, Hellbrunnerberg, Josefiau, Salzachsee-Saalachspitz und das Königswäldchen stehen großteils im Eigentum der Stadtgemeinde Salzburg. Sie sind rechtlich als Erholungswald abgesichert und somit geschützt.“

Führungen durch den Erlebnisraum Wald

Zur Försterarbeit zählt unter anderem sein Engagement im Bereich Waldpädagogik. „Josef Brawisch und ich machen regelmäßig Führungen durch den Wald“, erzählt Manuel. „Josef ist bereits seit 27 Jahren in der Stadtwaldpflege tätig. Es gibt beispielsweise ein Mal im Jahr die ‚Woche des Waldes´, bei der wir unter anderem die Waldpflege im Jahreskreis erklären. Jeder kann daran teilnehmen, man muss sich nicht anmelden.“ Bei der Pflege des Stadtwaldes stehen kulturgeschichtliche, ökologische und waldbesucherbezogene Überlegungen im Vordergrund, so Manuel. „Primär geht es uns um den Erhalt der Wälder und um die Sicherheit der Gäste. Wir haben hier in der Stadt ja in erster Linie Erholungswälder, die verkehrssicher sein müssen.“ So werden beispielsweise Bäume, die augenscheinlich beschädigt sind, entfernt, damit sie nicht zur Gefahr für Wanderer werden. Apropos Wanderer, an die hat Manuel eine Bitte: „Wichtig ist, dass die Hunde auf den Stadtbergen, insbesondere in Waldgebieten, immer an die Leine genommen werden“, stellt Manuel klar.

Abwechslung, Gämse und Natur pur

Wir stehen an einem der Aussichtspunkte, von denen aus man einen sensationellen Blick auf die Festung Hohensalzburg und den Untersberg hat. Was das Schönste an seinem Beruf sei, wollen wir abschließend wissen. Manuel lässt seinen Blick schweifen, denkt kurz nach. „Es ist die Abwechslung, kein Tag ist gleich. Forstrechtliche Verfahren machen, Gutachten schreiben, nach den Gämsen schauen – es ist immer etwas zu tun. Etwa die Hälfte der Arbeitszeit verbringe ich am Schreibtisch, die andere Hälfte in der Natur.“ Und da beginnen wie auf ein Stichwort hin die Augen des jungen Stadtförsters und -jägers zu leuchten und er lächelt: „Ja und natürlich die Natur! Es ist einfach wunderschön hier.“

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