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Stadterlebnis

Altes Wissen neu entdeckt: Kräuterworkshops in Bergheim

„Gott hat für jede Krankheit eine Pflanze wachsen lassen“, soll schon der Arzt und Philosoph Paracelsus gesagt haben. Heute erlebt dieses alte Wissen ein Revival – immer mehr Menschen interessieren sich für die Kraft der Kräuter. Aber welches Kraut hat welche Wirkung? Wann pflückt man was und wie wendet man es an? Das und noch viel mehr erfahren wir bei einem Kräuterworkshop in Bergheim. 

Bereits seit fünf Jahren kann man in Bergheim bei Salzburg in die spannende Welt der Heilkräuter eintauchen. Der Tourismusverband Bergheim bietet zu diesem vielseitigen Thema gemeinsam mit Kräuterpädagogen des Salzburger Vereins „Kräuterschnecken“ verschiedene Veranstaltungen an. Die Themen richten sich dabei auch nach der Jahreszeit: Von Entschlacken und Entgiften mit den ersten Frühlingskräutern über die Herstellung von Naturkosmetik bis hin zum Kochen mit heimischen Kräutern und Wurzeln. Aber wie kam es überhaupt dazu, dass in Bergheim das alte Wissen der Kräuter wiederbelebt wurde? „Wir haben hier ein wunderbares Naherholungsgebiet“, erzählt uns Angela Zechmann vom Tourismusverband Bergheim. „Aber nur, wenn wir die Schätze unserer Natur kennen, passen wir auch auf sie auf. Wir möchten das Wissen um diese Schätze weitergeben.“

Was unsere Urahnen noch wussten

An einem strahlend schönen Samstagvormittag treffen wir uns mit zehn anderen Kräuterinteressierten vor der Neuen Mittelschule in Bergheim. Angela ist schon da und führt unser kleines Grüppchen in die Schulküche, wo allerlei Kräuter für uns bereitstehen. „In den Sommermonaten halten wir die Workshops häufig draußen ab“, erklärt uns Angela. „Wir wandern zu den schönsten Naturplätzen von Bergheim. Es gibt zum Beispiel eine Wiese, die der Bauer nur einmal im Jahr mäht, im September. Es ist unglaublich, welche Schätze dort wachsen – ganz viele verschiedene Kräuter.“ In den kühleren Monaten oder wenn die Gruppe besonders groß ist, finden die Workshops drinnen statt. Dort wartet schon – zwischen allerlei Töpfen, Einmachgläsern und Kräutern – Brigitte Steinacher-Sigl auf uns. Brigitte ist eine zertifizierte Kräuterpädagogin und wird uns in den nächsten zwei Stunden an ihrem großen Wildkräuter-Wissen teilhaben lassen.

„Eine Pflanze hat mehr als 100 Inhaltsstoffe.“

Brigitte selbst stellt bereits seit über 20 Jahren ihre eigene Naturkosmetik her und kann viel Spannendes über Kräuter erzählen. Zum Beispiel wussten wir nicht, dass eine Pflanze mehr als 100 Inhaltsstoffe hat. „Eine Pflanze ist ein Lebewesen, und als solches hat sie weit mehr als nur eine Facette, sondern viele verschiedene Wirkstoffe“, sagt Brigitte. Heute hat sie uns fünf Pflanzen mitgebracht – Pflanzen, die dem Körper, dem Geist und der Seele guttun. Senfmehl zur Kreislaufstärkung, Ringelblumensalbe bei Entzündungen, Johanniskraut gegen Sonnenbrand, ein Duschgel mit Rosmarin zum Wachwerden oder ein Heublumensackerl zum Entspannen – anscheinend ist wirklich gegen jedes Wehwehchen ein Kraut gewachsen. Nach einer kurzen allgemeinen Einführung geht es ans Eingemachte. Brigitte hat fünf Stationen vorbereitet, an denen wir mehr über die verschiedenen Kräuter erfahren und selbst Hand anlegen dürfen.

Die Sonne konservieren

Wir rühren in Töpfen, füllen Heublumen in kleine Stoffsackerl, schnuppern an Ölen und mischen Tinkturen. Als wir vor einer großen Schale mit getrockneten Ringelblumen stehen und die rotgoldene Farbe der Blüten bewundern, gesellt sich Brigitte zu uns. „Schön sind die, nicht wahr?“ Wir nicken. „Die Ringelblume ahmt den Sonnenlauf nach“, erklärt uns Brigitte. „Das heißt, sie öffnet ihre Blüten zum Sonnenaufgang und schließt sie, wenn die Sonne untergeht. Wenn man ein Ringelblumenöl oder eine Salbe macht, ist das also ein bisschen so, als würde man die Sonne konservieren.“ Das ist ein schöner Gedanke, finden wir. Nach dem Workshop dürfen wir unsere selbstgemachten Schätze in kleinen Flascherln, Gläschen und Döschen mit nach Hause nehmen. Außerdem bekommen wir eine kleine Broschüre mit auf den Weg, in der die Kräuter, deren Wirkungsweise und die verschiedenen Zubereitungsarten zusammengefasst sind. Apropos Zubereitung: Eines der Rezepte haben wir für euch mitgebracht!

Ringelblumen-Auszugsöl selbst herstellen: So geht´s!

Das Auszugsöl der Ringelblume eignet sich ideal für entspannende Massagen und ist gleichzeitig die Basis für die Ringelblumensalbe. Die wiederum hilft zum Beispiel bei schlecht heilenden Wunden, bei Verbrennnungen, Haut- oder Schleimhautenzündungen und lindert Beschwerden bei Thrombosen. Ein wertvolles Kraut also, diese bescheidene Gartenpflanze! Für das Auszugsöl füllt man ein Schraubglas zu zwei Drittel mit frischen Ringelblumen, die man am Vortag gepflückt und über Nacht hat welken lassen. Als nächsten Schritt füllt man das Glas mit Olivenöl oder Sonnenblumenöl in Bio-Qualität bis zum Rand auf – es müssen alle Pflanzenteile gut mit Öl bedeckt sein. Danach zuschrauben und hell, aber nicht sonnig lagern. Vier Wochen lang muss man das Öl ab jetzt täglich schütteln, um den Konzentrationsausgleich herzustellen. Nach Ablauf der vier Wochen wird das Öl dann durch ein Mulltuch gefiltert und der Rückstand ausgepresst. Wenn man das Auszugsöl in einem frischen Schraubglaus aufbewahrt, hält es etwa ein Jahr lang. Viel Freude mit der flüssigen Sonne im Glas!

Neugierig geworden? Hier geht's zu den aktuellen Terminen für Kräuterführungen und Workshops in Bergheim!

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