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Stadterlebnis

Almabkehr oder The Big Clean-Up

Die meisten denken bei dem Begriff ‚Almabkehr‘ an grüne Wiesen, wohlgenährte Kühe und feiernde Menschen in uriger Tracht. Wer hätte jedoch gedacht, dass sie mitten durch ein leeres Kanalbett und die Stadt Salzburg führt?

Tatsächlich ist von aufgebrezelten Kühen und laut tönenden Kuhglocken weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen steht eine Handvoll Männer mit Gummistiefeln, Rechen und Keschern ausgerüstet im Bachbett – oder Kanalbett, wie es richtig lauten muss. Schließlich floss hier gerade noch der Almkanal, ehe die Stadt ihm für die nächsten drei Wochen das Wasser abdrehte und seine Fische in Kanistern zwischenlagerte.

Lebendige Stadtgeschichte

Der Almkanal bewegt sich vor allem unterirdisch – er entspringt aus der Berchtesgadener Königsseeache und ist in der Stadt vor allem durch sein unsichtbares Rauschen präsent. Salzburg-Besucher kennen das Phänomen, das selbst Einheimische manchmal vor Rätsel stellt: „Wo bitte geht’s denn hier zum Almkanal?“. An sieben Stellen mündet der künstliche Lauf in die Salzach. Wer einen Blick darauf erhaschen möchte, schaut am besten bei der Mühle in St. Peter oder am Universitätsplatz vorbei. Dort donnert das Wasser mit hoher Geschwindigkeit durch und lässt sich dabei kurz an der Oberfläche blicken – übrigens bereits seit dem 12. Jahrhundert. Damals beschlossen die Erzabtei St. Peter und das Salzburger Domkapitel als einflussreichste und größte Grundherren, für die landwirtschaftliche Nutzung ihrer Flächen einen Durchbruch durch den Mönchsberg zu schaffen, den Stiftsarmstollen. Heute speist der Almkanal nicht nur einige Kleinkraftwerke, sondern auch die Klimaanlage im Salzburger Festspielhaus.

Putztrupp Marsch!

Jedes Jahr im September ist es soweit: Die Schleuse zur Königsseeache wird geschlossen und der Mindestpegel des Almkanals fällt auf ein Minimum. Das ist der Auftakt zu drei spannenden und arbeitsreichen Wochen – der Almabkehr. Bevor gereinigt werden kann, müssen allerdings noch die Fische abgefischt werden. Großenteils handelt es sich dabei um Bachforellen, die in großen Sauerstoffbehältern zwischengelagert und in der Königsseeache ausgesetzt werden. Dann betreten die Helfer den ausgelassenen Almkanal und befreien ihn von Schlamm und Sperrmüll, bevor die Strecke saniert wird. Dabei stößt der unkonventionelle Reinigungstrupp auf die kuriosesten Gegenstände: Verkehrsschilder, Fahrräder und ja, sogar ein Tresor soll schon dabei gewesen sein.

Salzburgs Unterwelt

Die Almabkehr ist das ideale Abenteuerprogramm für Einheimische und Touristen – drei Wochen kann der Stiftsarmstollen auf Touren durchwandert werden. Der Weg mit den Experten führt 400 Meter quer durch den Mönchsberg und misst an seiner höchsten Stelle 2,20 Meter. Gummistiefel sind daher für die Expedition anzuraten. Der Boden ist allerdings nicht nur von Pfützen gesäumt, sondern auch mit Marmorplatten gepflastert; einige der Exemplare stammen noch vom aufgelassenen Domfriedhof. Die unterschiedlichen Bauweisen sind das Ergebnis einiger Einstürze, die im Laufe der Jahrhunderte stattfanden – Spitzgewölbe, Rundbögen und Steinverkleidungen wechseln einander ab.

Warum aber jetzt der Name „Almkanal“, wo der ‚Kanal‘ doch eigentlich so gar nichts mit einer ‚Alm‘ gemein hat? Ganz einfach! Die Königsseeache wird aufgrund ihres Schneewassers im Volksmund auch „Alm“ oder „Albe“, die Weiße, genannt. Aus diesem Grund wird die jährliche Reinigung zur ‚Almabkehr‘ – zwar ohne grüne Wiesen und glückliche Kühe, dafür mit jeder Menge urig-feuchtem Lokalcharakter und kuriosen Fundstücken. Brauchtum 2.0 eben.

Hier geht's zu den Terminen der Almabkehr.

 

 

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