zum Inhalt zum Hauptmenü zu den Kontaktinformationen
zum Inhalt zum Hauptmenü zu den Kontaktinformationen
Kunst & Kultur

Von Maibaumkraxlern und Maibaumdieben

Der Start in den Wonnemonat Mai wird in Salzburg traditionell mit dem Maibaumaufstellen begangen. Der Frühling gibt den Rahmen vor, die Hauptrollen bekleiden Maibaumkraxler, Maibaumdiebe, schöne Trachten und zünftige Volksmusik.

Markus, der Maibaumkraxler

Nur noch ein kleines Stück. Der Wurstkranz scheint zum Greifen nah, und doch fehlen noch die letzten paar Zentimeter. Markus rutscht auf dem glatten Stamm noch ein kleines Stück höher, die Fußsohlen brennen vom Festklammern. Noch einmal streckt er sich nach dem Wurstkranz, der von bunten Bändern umflattert über seinem Kopf hängt. Unten klatschen und pfeifen die Zuseher, die sich rund um den Baum eingefunden haben. Anfeuernde Rufe dringen zu ihm herauf, untermalt von der flotten Volksmusik der Dorfkapelle. Aber lieber nicht nach unten schauen, schließlich befindet er sich doch schon weit oben am Baum, in fast schwindelerregender Höhe. Markus wischt sich die Stirn, als ihm der Schweiß in die Augen läuft, und sammelt noch einmal seine Kräfte. Blitzblau spannt sich der Salzburger Maihimmel über ihm, als er noch einmal die Hände ausstreckt, die Finger gespreizt. Und schließlich ein Stück des Wurstkranzes zu fassen bekommt. Sein Herz macht einen freudigen Sprung, als er den Kranz ganz losreißt und triumphierend in die Höhe reckt. Geschafft! Unten wird applaudiert, die Trachtenkapelle spielt einen Tusch. Markus, der erfolgreiche Maibaumkraxler, rutscht langsam am polierten Stamm des Maibaums nach unten, seine Lederhose fängt den Schwung etwas auf. Unten angekommen erwarten ihn schon seine Vereinskollegen mit der ersten halbe Bier – der kühle Gerstensaft ist genau das richtige nach diesem Abenteuer in luftiger Höhe. Und als sich Markus etwas später ein knuspriges Henderl mit Kartoffelsalat schmecken lässt, versucht bereits der nächste wagemutige Maibaumkraxler den bunt geschmückten Stamm zu bezwingen.

Vom „Hexenbaum“ zum Fruchtbarkeitssymbol

Das Maibaumkraxeln ist Teil des Brauchtums rund um den 1. Mai. Jedes Jahr werden zu Beginn des Wonnemonats sogenannte Maibäume in Stadt und Land Salzburg aufgestellt und mit bunten Bändern und Stangenwurst oder Wurstkränzen geschmückt. Die Tradition lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Später, rund um das dunkle Kapitel der Hexenverfolgungen des 17. Jahrhunderts, fand das Maibaumaufstellen in etwas anderem Zusammenhang erneut große Beachtung: Man glaubte, dass besonders in der Walpurgnisnacht vom 30. April auf den 1. Mai wilde Hexen und böse Geister ihr Unwesen treiben. Daher soll auch die Tradition stammen, dass der Stamm des „Hexenbaums“ bis auf den letzten Rest Rinde abgeschält werden muss. Die Hexen könnten sich sonst womöglich unter der Rinde verstecken...
Das Fest, so wie wir es heute kennen, ist höchstwahrscheinlich im 19. Jahrhundert entstanden. Seither wird der Maibaum fast überall als Symbol des Wachstums und des Frühlings verstanden. Er soll anzeigen, dass die fruchtbare Zeit des Jahres angebrochen ist.

Den Maibaum stehlen, den Frühling feiern

Heute wird der geschälte und geschmückte Maibaum meist am 30. April in die jeweilige Gemeinde geholt und am 1. Mai im Zuge eines großen, bunten Festes aufgestellt. Aber Vorsicht: In der Nacht vor dem 1. Mai muss der Baum besonders gut bewacht werden! Traditionell ist es nämlich so, dass die Jugend der Nachbargemeinde den Baum in der Walpurgisnacht stiehlt. Das wäre natürlich eine große Blamage, und so wird der Maibaum von der ortsansässigen Jugend in dieser Nacht gehütet wie der eigene Augapfel. Steht der Baum am nächsten Tag dort wo er sein soll, beginnt das eigentliche Fest. Die Lederhosen und Dirndlkleider werden nach der viel zu langen Winterpause wieder aus dem Schrank geholt – und los geht´s! Unter großem Getöse wird der Maibaum traditionell mit langen Stangen in die Höhe gestemmt – auf mehrere Etappen, versteht sich. Weil zwischendurch immer wieder Zeit für ein kräftiges „Prosit!“ sein muss, also für eine gemeinschaftliche Bierpause. Steht der Baum schließlich stramm, ist das Maibaumfest noch lange nicht vorbei. Den Frühling kann man ja eigentlich gar nicht genug feiern. Bei zünftiger Volksmusik, deftigen und süßen Schmankerln, Bier und Wein wird dann auch oft gefeiert, bis die Abenddämmerung und die kühler werdende Luft die letzten Besucher nach Hause ins Warme treiben. Und Markus? Der freut sich schon aufs nächste Jahr. Und vielleicht erreicht er dann sogar den nächsthöheren Wurstkranz. Weil der Frühling, der soll manchmal gar ungeahnte Kräfte wecken.

Das Maibaumaufstellen ist ein besonders schöner Brauch, den Sie hautnah miterleben können. Hier geht es zu den Terminen in und rund um die Stadt Salzburg!

Kategorien

Inspiration