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Stadterlebnis

Ein winterlicher Weekend-Getaway

Ich bin gestresst und urlaubsreif. Weihnachten und Silvester haben mich buchstäblich den letzten Nerv gekostet. Und nach den Feiertagen ging es so weiter im Büro. Gut, dass Daniel und ich dieses Wochenende eine kurze Auszeit planen. Es geht in die verschneite Mozart-Metropole. Zwei Tage Sightseeing, Kultur und romantische Zweisamkeit. Salzburg ist dafür das ideale Pflaster.

Das Sattler-Panorama im Salzburg Museum

Wir stehen mitten im Raum. Uns umgeben hunderte Häuser, Menschen und Bäume. Nein, real ist das nicht. Wir fühlen uns ins 19. Jahrhundert zurückversetzt. Aus dieser Zeit stammt es auch, das von Johann Michael Sattler geschaffene Rundgemälde. Es zeigt die Stadt Salzburg aus der Panorama-Perspektive der Festung. Und das mit fotografischer Genauigkeit. Vier kleine Fernrohre sollen helfen, die detailgetreuen Abbildungen noch genauer zu sehen. Und tatsächlich, sobald Daniel mit einem Auge durch das Okular blickt, höre ich ihn lachen. Ich eile an seine Seite. Dann bin ich an der Reihe, blicke durch das Guckloch und erspähe eine Prozession vor dem Dom. Etwas weiter rechts in Richtung Nonntal hängt eine Frau Wäsche in ihrem Garten auf. Und in die Salzach hat sich eine Kutsche verirrt. Wie bitte? Eine Kutsche? Hätten wir noch mehr Zeit, könnten wir den ganzen Vormittag nach weiteren Details suchen. Haben wir aber leider nicht. „Magst du dir das Panorama in real ansehen“, fragt mich Daniel mit glänzenden Augen. Natürlich. Na dann, rauf auf die Festung!

In 54 Sekunden auf die Festung Hohensalzburg

Die Schlange vor dem Eingang zur Festungsbahn ist lang. Eine Dame mit blauer Mütze und dickem Winterschal ist die letzte in der Reihe. Gerade als ich mich hinter sie stellen möchte, zieht mich mein Freund am Arm, vorbei an der Menschenmenge. Wir haben doch die Salzburg Card, flüstert er mir ins Ohr. Ohne Anstellen geht es schnurstracks durch das Drehtor in die rote Bahn. Die Türen schließen und schon beginnt die 54-sekündige Auffahrt zur Festung. Staunend stehe ich vor der Glasfront und blicke auf die Altstadt. Daniel legt seinen Arm um meine Schulter und genießt mit mir die Fahrt in eine vergangene Zeit. Oben angekommen verzaubert uns der Rundumblick auf die Salzburger Altstadt erneut. Diesmal aber nicht als Gemälde, sondern real. Nach einem kurzen Spaziergang erreichen wir die Rückseite der Festung. Von hier aus hat man einen atemberaubenden Blick auf das Nonntal bis hinaus nach Hellbrunn. Und dort, der Garten der Dame vom Sattler-Panorama. Wäsche sehe ich zwar keine, aber dafür erkenne ich eindeutig die Gartenmauer und das schmucke Wohnhaus. In der Ferne bewundern wir die schneebedeckten Alpen. Ich würde gerne noch ein wenig den Ausblick genießen, aber Daniel sitzt schon wieder auf Kohlen. „Machen wir einen kleinen Spaziergang über den Mönchsberg“, schlägt er vor und krempelt die Ärmel seiner Daunenjacke hinauf, als wäre er bereit, Bäume auszureißen.

Walking in the Winter Wonderland & Museum der Moderne

Mit der Festung im Nacken nehmen wir Kurs auf das Museum der Moderne. Der geteerte Weg führt uns vorbei an alten Burgmauern, durch winzige Waldabschnitte und freistehende Wiesen. Als wir Hand in Hand dahinschlendern, beginnt es plötzlich zu schneien. Winzige Schneeflocken tanzen Ballett in der Luft, bevor sie federleicht auf den eisigen Boden fallen. Dort vorne ist es, triumphiert Daniel und streckt den Zeigefinger in Richtung eines grauen Gebäudes. Noch über einen letzten Hügel und schon stehen wir vor ihm – dem Museum der Moderne. Ich fühle mich, als hätte ich innerhalb weniger Minuten eine kleine Zeitreise erlebt. Eben noch vom mittelalterlichen Charme der Festung beeindruckt, wirkt nun zeitgenössische Architektur auf mich ein. Zugegeben bin ich etwas überfordert. Und auch Daniel scheint überwältigt, als wir die 2.300 Quadratmeter große Ausstellungfläche betreten. Je länger wir uns im Museum der Moderne aufhalten, desto mehr bin ich von der Klarheit, dem Purismus und der Einfachheit des Gebäudes beeindruckt. Nach ein paar Stunden Kunst und Kultur fahren wir mit dem Mönchsberglift hinunter zurück in die Altstadt. Es ist bereits dämmrig geworden, als wir uns auf den Weg zum Hotel machen.

Eine Rutschpartie der Extraklasse

Am nächsten Morgen steht Bewegung an. Mit einem mehrseitigen Stadtplan bewaffnet, starten wir unseren Ausflug in die grüne, derzeit weiße Oase der Stadt. Nach einem halbstündigen Marsch stehen wir bereits vor dem Krauthügel. Im Vergleich zum Mönchsberg ist er winzig, wirkt wenig einladend. Hier soll man Rodeln können? Mitten in der Stadt? Und tatsächlich! Wir werden nicht enttäuscht. Hinter einer leichten Linkskurve ist das winterliche Freizeitvergnügen bereits in vollem Gange. Kinder laufen mit leuchtenden Augen den kleinen Hügel hinauf, ihren Schlitten hinter sich her ziehend. Als wir näher kommen, wird der Spaß auch hörbar. Hier ein „Juheeee“, dort ein „Aus der Bahn“. Wir verfolgen die Spuren der Pistenprofis, bis ein Mädchen im Grundschulalter auf uns zuläuft. „Wollt ihr auch einmal“, brüllt sie und reißt die Schnur ihres Schlittens in die Höhe. Ohne zu überlegen stürmt Daniel los. In der nächsten Sekunde sitzt er bereits auf dem fahrbaren Untersatz. Dicht an ihn gepresst mache ich es mir hinter ihm bequem. Und dann geht es auch schon los. Ohne zu bremsen stürzen wir den Hügel hinunter. Kurz vor dem Auslauf fahren wir über einen faustgroßen Steinbrocken, geraten in Schieflage und fallen lachend in den weichen Schnee. In der Ferne hören wir das Mädchen Beifall klatschen.

Ein Lichtermeer in Maria Plain

Nach einer mehr oder weniger gelungenen Rodelpartie machen wir uns auf zurück ins Hotel. Am späten Nachmittag hat Daniel noch eine Überraschung für mich. Gespannt steige ich ins Taxi. Wo geht es hin? Was hat er vor? Nach einem kurzen Stück bergauf sind wir auch schon am Ziel. Vorsichtig steige ich aus dem Taxi. „Bleib hier stehen und warte auf mich, bin gleich wieder da“, hechelt er und verschwindet in einem Gebäude. Gasthof Maria Plain lese ich auf dem Willkommens-Schild. Maria Plain? - Steht dort nicht die bekannte Wallfahrtsbasilika? Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt er zurück, zwei schwere Laternen in der Hand. Die eine für mich, die andere für sich. Grinsend stolzieren wir nebeneinander die Straße zur Basilika hinauf. Oben angekommen eröffnet sich ein grandioser Blick auf das winterliche Salzburg. Ich stelle meine kleine Laterne auf den Boden, drehe mich zu Daniel und schaue ihm tief in seine blitzblauen Augen. „Danke“, flüstere ich ihm zu. Mehr bringe ich in diesem Moment nicht heraus. Es ist der perfekte Abschluss eines noch perfekteren Wochenendes. Salzburg kann ich auf jeden Fall empfehlen. Ein Weekend-Getaway. Im Winter.

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