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Schauplätze

Die Salzburger Getreidegasse und ihre Durchhäuser – eine einzigartige Liaison!

Schon gewusst? Die Getreidegasse ist löchriger als ein Schweizer Käse! Das freut nicht nur die Einheimischen, die durch die verwinkelten Passagen Abkürzungen nehmen – auch Salzburg-Besucher geraten bei den Durchhäusern ins Schwärmen.

Im Ranking von Salzburgs beliebtesten Straßen hat eine klar die Nase vorne: die berühmte Getreidegasse. Ihren Reiz erhält sie aber nicht nur als Sitz von Mozarts Geburtshaus oder noble Shopping-Meile. Nein, Aufklärung bringt Einheimischen-Spotting: Die besitzen nämlich die merkwürdige Fähigkeit, durch dickwandige Getreidegassen-Mauern auf die nächste Straße zu spazieren. Was, Harry Potter hat Konkurrenz? Das könnte natürlich sein, aber eigentlich liegt die Superkraft der Salzburger am Phänomen der Durchhäuser – den öffentlichen Passagen in der Getreidegasse.

Und wer hat’s erfunden?!

… die Salzburger! Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts lag eine Grünfläche zwischen Getreidegasse und Mönchsberg, der sogenannte Frongarten. Außerhalb der Mauern von St. Peter situiert, wurde er von den Petersfrauen zum Anbau von Gemüse, Kräutern und Heilpflanzen genutzt. Da schon im Mittelalter alle Zeichen auf Expansion standen, erlaubten die Erzbischöfe eine zweite Häuserreihe – und der Frongarten schrumpfte so lange, bis er ganz verschwand. Bei den Neubauten gab es allerdings ein Problem: Sie waren so eng gereiht, dass Querverbindungen unmöglich schienen. Eine suboptimale Situation für den Handel. Deshalb entstanden öffentliche Passagen, die durch die privaten Bürgerhäuser führen.

Prunk und Gloria

Wer heute eines der 13 Durchhäuser in der Getreidegasse betritt, geht auf Zeitreise. Nächste Station: Mittelalter! Der Boden ist mit Untersberger Marmor gepflastert, die Decke wölbt sich rund empor. Dazwischen schmiedeeiserne Türen, die schmal und steil ins Obergeschoß führen. Dort begeistern die Gebäude mit prunkvoller Ausstattung, die nichts – aber auch gar nichts – mit den grauen Fluren moderner Wohnsilos gemein haben. Der Hochadel anno Mozart hatte es nicht so mit der „Bürgerstadt“, sondern investierte lieber ins Private. Wer gerne auf Du und Du mit dieser extravaganten Architektur geht, aber keinen der Mieter kennt – kein Problem, ein Ausflug durch die öffentlichen Passagen genügt. Die meisten besitzen einen Innenhof, den ehemaligen Gemeinschaftsgarten. Wo heute die Gastronomie ihre Tische im Freien aufstellt oder kleine Boutiquen angesiedelt sind, sieht man immer noch die prächtigen Arkaden, Marmorbrüstungen, Reliefs und pompöse Kapitelle aus den unterschiedlichen Epochen.

Der Hai ist los!

Zu den Deko-Basics der Durchhäuser zählen Schriftzüge, eingravierte Hausmarken und Wappen. Ein besonderes Schmankerl bietet das Schatz-Durchhaus (Getreidegasse 3): Dort baumelt im Eingangsbereich eine Walfischrippe von der Decke. Und an der ist ein kleiner getrockneter Haifisch befestigt. Wer jetzt Tierschutz ruft, sorry, aber das Handy kann in der Tasche bleiben. Bei den beiden Accessoires handelt es sich um Marketing-Reste des Mayr‘schen Kolonialwarenhandels. Der war bereits im 14. Jahrhundert in der Getreidegasse 3 ansässig, ehe Drechsler Josef Schatz im 19. Jahrhundert das Gebäude erwarb. Walfischrippe und Hai durften bleiben und wirkten unter Max Reinhardt sogar bei den Festspielen als Requisiten mit.

Passagen-Checker

Wer vor lauter Passagen jetzt den Überblick verloren hat: Die Durchhäuser mit den geraden Zahlen führen zum Griesviertel an die Salzach, die mit den ungeraden zum Universitätsplatz. Na, ist doch gar nicht so kompliziert. Höchste Zeit für eine kleine Abkürzung!

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